Das Triumphbogenbild der Kirche St. Martin in Meerane wurde 1906 von dem Dresdner Kunstmaler Karl Schulz geschaffen. Es trägt den Titel "Der Einzug Jesu in Jerusalem". Der Künstler selbst schrieb zu seinem Entwurf: "Die Hauptornamente sind (...) durch den Bildtext gegeben. Christus auf der Eselin, das ihm zujubelnde Volk, das seine Kleider ausbreitet und Palmen streut. Rechts die Figuren sind Apostel, die ihrem Herrn folgen, links abseitsstehend zwei reiche Juden, welche den Vorgang missbilligen. Beabsichtigt ist, durch die Anwendung der hellen Figuren, eine horizontale Linie durchs Bild zu bringen, um die Zwickel etwas vergessen zu lassen." (Zur Erläuterung: Als Zwickel werden in der Architektur dreiseitig begrenzte Flächen bezeichnet. Es handelt sich hier genau genommen um einen Bogenzwickel, also einen Rundbogen mit einer rechtwinkligen Umrahmung.)

Über die mehr als hundert Jahre ist das Wandbild u. a. aufgrund einer kohlenstoffhaltigen Deckschicht stark verschmutzt worden. Seit den 1960er Jahren ist deshalb von Seiten des Landesamtes für Denkmalpflege auf die notwendige Restaurierung des Bildes und dessen einzigartige Bedeutung für den sächsischen Kulturraum eindringlich hingewiesen worden.

Dass die Kosten für eine Restaurierung und Reinigung des Wandbildes von der Kirchgemeinde allein nicht aufgebracht werden konnte, war im Vorhinein deutlich geworden. Seit dem Jahr 2007 wurde deshalb eine umfangreiche Spendeneinwerbung angestoßen. Diese stieß in der Bevölkerung der Stadt Meerane und über deren Grenzen hinaus auf regen Zuspruch. Mit der Kirchgemeinde und der Kirche eng verbundene Bürgerinnen und Bürger brachten erhebliche Beträge auf, die die Restaurierung des Wandbildes in greifbare Nähe rücken ließen. Einzelpersonen, Vereine wie der Bürgerverein Meerane, Institutionen wie die Sparkasse Chemnitz oder das Regionalkirchenamt Chemnitz sagten Finanzierungsbeteiligungen zu. Doch ohne die Förderung mit Mitteln aus dem Denkmalschutz-Sonderprogramm des Beauftragten des Bundes für Kultur und Medien in Höhe von 36.000 Euro, die von der Landesdirektion Chemnitz am 25. März 2009 bewilligt worden ist, wäre die Finanzierung nicht gesichert gewesen. Die Aufnahme in dieses Programm verdankt die Kirchgemeinde auch dem Landesamt für Denkmalpflege Sachsen. Hier ein Auszug aus der Stellungnahme des Landesamtes:

"Die Denkmaleigenschaft und das öffentliche Erhaltungsinteresse sind durch das Landesamt für Denkmalpflege Sachsen festgestellt. Die denkmalgerechte Instandsetzung des wertvollen Kunstdenkmals ist aufgrund seines unverändert originalen Bestandes von besonderem staatlichen Interesse. Die Sicherung des Wandbildes (Konservierung/Restaurierung) ist aus denkmalpflegerischer Sicht unaufschiebbar notwendig (...). Das Bild von Karl Schulz ist in Secco-Technik gemalt und zeigt den 'Einzug Christi in Jerusalem'. Über dem Triumphbogen des Kircheninnenraumes angebracht, ist das monumentale Bild ursprünglich in einem dazugehörigen dekorativen Rahmen gefasst, wobei ein umlaufendes Schriftfeld in eine stilentsprechende Raumfassung eingebunden war. Die stilgerechte Einbindung des Wandbildes in den dazugehörigen räumlichen Rahmen des Kirchenschiffs ist aufgrund der überregionalen Wertigkeit des Gemäldes und der im Vergleich derzeit drittklassischen Raumfassung denkmalpflegerisch unabdingbar. Der Kunstwert des Gemäldes ist umso höher zu bewerten, da viele Zeugnisse monumentaler Jugendstil-Malerei durch Kriegsschäden und in den Jahrzehnten nach dem 2. Weltkrieg verloren gegangen sind, so dass der Erhalt und die denkmalgerechte Konservierung und Restaurierung des Bildes von besonderem staatlichen Interesse sind. (...) Der Denkmalwert des Gemäldes gründet sich in bildkünstlerisch hervorragender Weise in der Dresdner Wandmalerei der Schule Otto Gussmann, dessen Schule in dem Jahrzehnt vor dem 1. Weltkrieg ausgehend vom Jugendstil sachsenweit führend ist. Das hier gezeigte monumentale Historiengemälde biblischen Inhalts brilliert in der Klarheit seines Aufbaus und in der dekorativen Durchgestaltung der Details, wobei beides - Proportion und Detailtreue - die prägnante Wirkung auf den Innenraum begründen. Der biblische Inhalt: 'Einzug Jesu in Jerusalem' und damit verbunden das triumphale Ausbreiten der Gewänder und Gewandungen aller Beteiligten auf dem Weg des Messias durch die Heilige Stadt deuten nicht zuletzt auf den Triumph der Textilstadt Meerane hinsichtlich ihrer weltweiten Akzeptanz im Tuchgewerbe. Inhalt und Form des Wandgemäldes bedeuten über die religiöse Thematik hinaus ein historisches Dokument der Stadtgeschichte Meeranes von künstlerischer Authentizität und Singulariät." 

Von März an bis zum 4. Dezember 2009 wurde das Wandbild restauriert. Die Restaurierung übernahm der Enkel von Karl Schulz, Herr Diplom-Restaurator Markus Schulz (Dresden), gemeinsam mit seinem Mitarbeiter Frank Schmiedel (Dresden).

Die Restauratoren griffen, um das Wandbild ohne Schäden von vorhandenen Schmutzschichten reinigen zu können, auf den Einsatz von Laserstrahlung zurück, die das Fraunhofer-Institut für Werkstoff und Strahltechnik (Dresden) entwickelt hat. Die Reinigung wurde mit einem mobilen, auf dem Gerüst stehenden Neodym-YAG (Yttrium-Aluminium-Granat)-Laser, einem Festkörperlaser, durchgeführt. Diese Art der Reinigung von Wandgemälden war ein einzigartiges Pilotprojekt.

Am 2. Advent 2009, dem 6. Dezember, konnte die Kirchgemeinde "St. Martin" in Meerane in einem Festgottesdienst die Fertigstellung der Wandbildrestaurierung feiern.

Noch immer ist die Kirchgemeinde sehr dankbar für Spenden, die ihr helfen, die Innenrenovierung der Kirche St. Martin fortzusetzen (Volksbank Glauchau, BLZ 870 959 74, Kontonummer 300 100 031, Kontoinhaber: Kirchgemeinde St. Martin Meerane, Zweck: "Innenrenovierung der St. Martinskirche"). VIELEN DANK!

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